2. Dezember 2021

Um die 30

Es ist mal wieder Zeit für Nostalgie. Eigentlich möchte ich dieses ‚ach, früher …‘ ja gerne vermeiden. Aber wenn man Älter wird, gibt es diese Momente wohl zwangsläufig immer öfter. Bislang waren es die 80er-Jahre, die mein ‚ach, früher …‘ bestimmten. Dieses Jahrzehnt, in dem in meinem Leben so viel zum ersten Mal passiert ist. Vom Kind zum Ehemann innerhalb einer so kurzen Zeit. Und was war das für eine Zeit …

Okay, ich schweife ab. Die 80er sind jedenfalls für mich ‚die alten Zeiten‘. Nunmehr stelle ich aber fest, dass mittlerweile auch die 90er dazu gehören. Auch das ist ja alles schon echt lange her. Wie zum Beispiel die Serie ‚Um die 30‘, die 1995 im ZDF lief. Ein Sechsteiler, den wir damals wirklich gefeiert haben. Obwohl es schon Privatfernsehen gab, haben wir ‚jungen Leute‘ in den 90ern offensichtlich ZDF geschaut. Jedenfalls hatte ich die Serie in den mittlerweile vergangenen 26 Jahren irgendwie immer im Hinterkopf behalten und wollte sie unbedingt noch mal sehen. Aber es gab keine DVD-Veröffentlichung und auch als die Streaming-Dienste aufkamen, blieb diese Perle (so hatte ich sie jedenfalls in Erinnerung) unter Verschluss. Doch nun habe ich sie in der ZDF-Mediathek entdeckt – und ganz nebenbei festgestellt, dass das ja eine echte Alternative zu Netflix & Co sein kann.

Wir haben also jetzt in einer Art Serienmarathon die ‚Kultserie‘ nach einem Vierteljahrhundert nochmal angeschaut. Ja, damals waren wir eben selbst ‚um die 30‘. Schon kurios, was wir da als cool empfunden haben. Die Klamotten, die Frisuren, die Autos … oder als dieser Olaf seinen Kumpel Frank anhaut: „Hast du dir endlich ein Fax gekauft?“. Krass. Aber dass es ’95 schon relativ handliche Mobiltelefone gab, hatte ich nicht mehr so auf dem Schirm. Allein wegen solcher Retro-Momente hat es sich gelohnt, die Serie anzuschauen. Die Storyline selbst fand ich eher mau und harmlos. Was mich damals begeistert haben soll? Ich weiß es nicht wirklich. Und die Schauspieler? Nun ja. Ich muss ja zugeben, dass ich deutsche Fernsehproduktionen in den letzten 15 Jahren kaum gesehen habe. Hier und da mal was mit Dominik Raacke oder Natalia Wörner. Raacke hat mir in seiner Rolle als Frank gut gefallen, auch Bruno Eyron als Olaf spielte gut. Wörner dagegen fand ich viel zu gekünstelt in ihrer Darstellung. Ja, sie hatte eine gewisse Wirkung und Ausstrahlung – aber sobald sie sprach und ‚agierte‘, war es hölzern und unnatürlich.

Aber hey – unter dem Strich war es eine schöne Zeitreise. Und jetzt gibt es ja auch den Fernsehfilm ‚Um die 50‘ in gleicher Besetzung. Den werden wir uns natürlich auch noch anschauen. Schon alleine um den Vergleich zu ziehen, wie die Darsteller gealtert sind. Ich selber tue mich da bei mir sehr schwer, das einzuschätzen. Schließlich habe ich mich in den vergangenen 26 Jahren täglich im Spiegel gesehen und finde, dass ich mich nicht sooo großartig verändert habe. Aber da werde ich mich vermutlich täuschen. Weil ich ganz klar nicht mehr ‚um die 30‘ bin …

Edit: Mittlerweile haben wir auch ‚Um die 50′ geschaut. Nun ja. Natürlich lebte der Fernsehfilm von dem angesprochenen Vergleich, wie sich die Darsteller in den 26 Jahren verändert haben. War schon ganz interessant. Bruno Eyron hätte ich wahrscheinlich nicht wiedererkannt, Natalie Wörner ist ’normal‘ älter geworden (aber sie schauspielert mittlerweile besser), bei Catherine Flemming und vor allem Susanne Schäfer war ich schon sehr erstaunt über die Wandlung. Aber nun, das sind Äußerlichkeiten. Etwas schade fand ich, dass der Film nicht über den Status ‚irgendwie nett‘ hinauskam. Vielleicht, weil man vieles nur anreißen konnte in den anderthalb Stunden. Aber insgesamt war es sehr hausbacken, gerade wenn man bedenkt, wie cool und locker die Serie damals rübergekommen ist. Doch vielleicht ist es auch gut so. Wenn der Film Lust auf mehr gemacht hätte, dann wäre ich enttäuscht gewesen, dass es keine Fortsetzung(en) gibt. So aber kann der Deckel drauf gemacht werden. Schön, die alte Serie nochmal durchgezogen zu haben und okay, dass die Sache mit diesem Film nett abgerundet wurde.