
Kennt ihr das? Man setzt sich Montagmorgen an den Schreibtisch, plant die Woche – und schon ist Freitagabend. Ich erlebe das inzwischen fast wöchentlich, zwischen meinen Jobs und sonstigen Aktivitäten – die Zeit verfliegt. Nachfolgend ein paar Denkanstöße, warum ich das so empfinde und was ich versuche, dagegen zu tun.
Mein erster Gedanke war, mich von Verpflichtungen und Ballast zu befreien, um „meine Zeit zurückzubekommen“. Ich dachte, das Leben würde sich dadurch entschleunigen. Doch das Gegenteil trat ein. Ich merke, dass mehr freie Zeit im Kalender nicht automatisch bedeutet, dass ich sie bewusster erlebe. Ich fülle sie oft einfach mit den nächsten Aufgaben, statt wirklich präsent zu sein.
Wenn jeder Dienstag wie der letzte aussieht, verschmelzen ganze Wochen im Gedächtnis zu einem einzigen Block. Routinen sind absolut wertvoll und wichtig und ein großer Bestandteil meines Lebens. Aber Erinnerung benötigt Unterschiede. Ein einziger Tag im Urlaub bleibt mir oft präsenter als drei Wochen produktiver, aber gleichförmiger Tagesabläufe – nicht weil er länger war, sondern weil er anders war.
Als Kind gab es ständig neue Meilensteine: Einschulung, Schulwechsel, Herausforderungen, Führerschein, erste Liebe, erste eigene Wohnung. Im Erwachsenenleben werden diese großen Momente seltener, und plötzlich freut man sich nur noch auf Weihnachten oder den einen Jahresurlaub. Genau diese wenigen Fixpunkte sind es aber, die den restlichen Alltag dazwischen im Rückblick zusammenschrumpfen lassen.
Früher gab es Wartezeiten – an der Bushaltestelle, im Wartezimmer, in der Schlange. Man ließ die Gedanken schweifen. Heute zücke ich in solchen Momenten reflexhaft das Smartphone. Jede kleine Lücke wird mit Nachrichten oder Social Media gefüllt, und am Ende des Tages fühlt sich alles seltsam leer an, obwohl „viel“ passiert ist.
Das hat mich am meisten zum Nachdenken gebracht: Wie oft fahre ich Auto und erinnere mich später nicht mehr an die Strecke? Wie oft esse ich, während ich schon die nächste To-do-Liste im Kopf durchgehe? Wenn der Geist nicht wirklich anwesend ist, entsteht keine Erinnerung – und der Tag verschwindet einfach, egal wie voll er war.
Die Lösung liegt für mich nicht in mehr Urlaub oder mehr Action, sondern darin, Tage zu schaffen, an die sich das Gehirn erinnern will: etwas Neues lernen, etwas erschaffen, einen anderen Weg gehen, mal bewusst still sitzen und mich und das Leben reflektieren. Nicht in jeder vermeintlich freien Sekunde das Smartphone zücken oder mich von einem Hörbuch oder Podcast ablenken lassen. Ein Kernsatz: Zeit verschwindet nicht – Erinnerung tut es.
Es ist aber auch die Erkenntnis, das gefährliche Wort „später“ bewusst zu vermeiden. Mit 25 ist „später“ noch ein riesiges Zeitfenster. Je älter man wird, desto mehr wird es zu einer stillschweigenden Annahme, dass Zeit, Gesundheit und Gelegenheit auch morgen noch da sind. Doch das Leben passiert an ganz gewöhnlichen Dienstagen – nicht erst, wenn der vermeintlich perfekte Moment kommt.
