22. August 2026

Real Betis 2026/27: Champions-League-Comeback mit Fokus auf LaLiga

Real Betis ist am Freitag, 21. August, 21 Uhr mit dem Heimspiel gegen Real Sociedad (1:0) in La Cartuja in die neue LaLiga-Saison gestartet – zum ersten Mal seit 21 Jahren mit einem Champions-League-Startplatz im Rücken. Der Klub aus Sevilla unter Manuel Pellegrini, der bereits seine siebte Spielzeit als Cheftrainer angeht, befindet sich damit in einer historischen Ausnahmesituation zwischen sportlicher Euphorie und einem noch nicht abgeschlossenen, zähen Transfersommer.

Saisonvorbereitung im Überblick

Die Vorbereitung begann offiziell am 7. Juli mit medizinischen Untersuchungen in Sevilla, bevor die Mannschaft für den ersten Trainingslager-„Stage“ nach Deutschland reiste. Insgesamt bestritt Betis sieben Testspiele zwischen dem 18. Juli und dem 8. August, ergänzt durch eine zusätzliche Woche und ein finales Testspiel gegen Inter Mailand am 15. August in Bari, nachdem sich der Ligastart durch die WM-Verzögerung verschoben hatte. Insgesamt waren zu Beginn 29 Spieler eingeplant: 14 aus dem Profikader der Vorsaison, elf Nachwuchsspieler, drei Rückkehrer aus Leihen sowie Neuzugang Facundo Bernal.

Ein prägendes Thema der gesamten Vorbereitung war der Fitnesszustand der Schlüsselspieler. Isco Alarcón erholt sich weiterhin von einer langwierigen Knorpelverletzung im Knie und ist laut Pellegrini „im Moment für die Bank“, wobei seine Einsatzminuten von Tag zu Tag variieren. Giovanni Lo Celso kehrte nach der WM-Teilnahme mit Argentinien verspätet und mit einer Muskelverletzung zurück und trainiert seit Wochen isoliert vom Team – ein genaues Rückkehrdatum kann laut Pellegrini niemand nennen. Auch Ez Abde (marokkanischer Flügelspieler) fehlte zuletzt noch im Kader für das Spiel gegen Real Sociedad, obwohl er wieder Teileinheiten mitmacht.

Abgänge: Kaderbereinigung mit Substanz

Der Sommer war geprägt von einem deutlichen Kaderumbau, vor allem im defensiven und mittleren Bereich. Die wichtigsten Abgänge:

Spieler Position Neuer Klub Modalität
Sergi Altimira Mittelfeld Sporting CP Transfer, ca. 18,25 Mio. €
Nobel Mendy Verteidigung Rayo Vallecano Kaufoption, 3,5 Mio. €
Mateo Flores Mittelfeld Arouca Kaufoption, 1,4 Mio. €
Ricardo Rodríguez Verteidigung Vereinslos Vertragsende
Cédric Bakambu Angriff Vereinslos Vertragsende
Chimy Ávila Angriff Vereinslos Vertragsauflösung
Adrián San Miguel Torwart Rücktritt Karriereende
Sofyan Amrabat Mittelfeld Fenerbahçe Ende der Leihe
Pau López Torwart FC Andorra Ablösefrei
Guilherme Fernandes Torwart Real Betis Córdoba (intern) Transfer

Besonders bemerkenswert: Der Verkauf von Sergi Altimira für über 18 Millionen Euro war finanziell zentral, kam für den Verein aber trotz des Erlöses zu einem Bilanzjahr mit Verlusten. Nelson Deossa sollte eigentlich zu Vasco da Gama wechseln, der Transfer hängt aber wegen ungeklärter Rechtsstreitigkeiten fest – er blieb bis zuletzt im Kader und machte in der Vorbereitung sogar als Ersatz-Stürmer auf sich aufmerksam.

Zugänge: Vier gezielte Verstärkungen

Der Kader wurde bislang um vier Spieler ergänzt, wobei die sportliche Leitung um Manu Fajardo erst spät im Sommer die entscheidenden Positionen schließen konnte:

Spieler Herkunft Position Ablöse
Facundo Bernal Fluminense (BRA) Mittelfeld (Sechser) 8,5–10,5 Mio. € + Steuern, 5-Jahres-Vertrag
Fran García Real Madrid Linksverteidiger 4 Mio. €
Diego Conde Villarreal Torwart Leihe (Ersatztorhüter)
Troy Parrott AZ Alkmaar Mittelstürmer 16 Mio. € fest + 4 Mio. variabel, Vertrag bis 2031

Der irische Nationalstürmer Troy Parrott ist der prominenteste und letzte Coup des Sommers: Er wurde erst am Donnerstagabend (20. August), also nur einen Tag vor dem Saisonstart, offiziell vorgestellt. Der 24-Jährige erzielte in der Vorsaison für AZ Alkmaar 31 Tore und 12 Assists und soll gemeinsam mit Cucho Hernández die Offensive tragen. Der Transfer war bis kurz vor Abschluss zäh, da Betis zunächst 15 Millionen fest plus vier variabel anbot, während AZ Alkmaar 20 Millionen forderte.

Facundo Bernal und Fran García gelten als die beiden wichtigsten frühen Neuzugänge, da sie zwei akute Schwachstellen behoben: die Doppel-Sechs und die linke Abwehrseite, die laut Marca „schrie“ nach einem klaren Stammspieler.

Prognose und Gesamtlage vor dem Saisonstart

Die spanische Fachpresse ordnet Betis überwiegend im oberen Tabellendrittel ein, mit Rängen zwischen dem 4. und 7. Platz als realistischem Zielkorridor und dem Vorsaisonrang (5.) als Referenzpunkt. Manu Fajardo hat öffentlich klargestellt, dass der Transfermarkt für Betis erst am 1. September schließt und weitere Bewegungen folgen dürften – insbesondere weil Pellegrini selbst nach dem Parrott-Deal noch zusätzliche Verstärkungen forderte. Ein zusätzlicher Angreifer sowie möglicherweise die Rückkehr von Dani Ceballos wurden zuletzt als offene Baustellen genannt.

Strategisch verfolgt der Klub laut mehreren Analysen einen bewusst vorsichtigen Ansatz für die Champions League: Priorität eins bleibt die Konsolidierung in der oberen LaLiga-Hälfte und eine erneute europäische Qualifikation, Priorität zwei der Copa del Rey, in dem sich der Verein reale Titelchancen ausrechnet. Die Champions League selbst soll primär „mit Würde“ bestritten werden, um Ansehen und Einnahmen zu steigern, ohne die nationale Leistungsfähigkeit zu gefährden. Diese Zurückhaltung erklärt auch, warum trotz des historischen Europapokal-Rückkehr nur vier Neuzugänge kamen und die größte Verstärkung (Parrott) erst am Vorabend des Saisonstarts fixiert wurde.

Als besonderer Unsicherheitsfaktor bleibt der gesundheitliche Zustand der drei erfahrensten Schlüsselspieler – Isco, Lo Celso und Antony – bestehen, die laut ESPN in der Vorsaison „unter ihrem Niveau“ litten wegen körperlicher Probleme, aber als Führungsspieler für den Champions-League-Kader als unverzichtbar gelten. Sollten diese drei rechtzeitig ihre Form finden, hat Betis nach übereinstimmender Einschätzung spanischer Medien einen Kader, der sowohl in LaLiga oben mitspielen als auch in der Champions League für Aufsehen sorgen kann.

Gelungener Auftakt in die neue Saison