20. Januar 2026

Ein täglicher Spaziergang als stoisches Upgrade

Ein täglicher Spaziergang klingt banal – doch genau diese einfache Gewohnheit passt erstaunlich gut zu den Empfehlungen der alten Stoiker. Und sie ist das kleine Upgrade, das ich mir für 2026 vorgenommen habe.

Warum die Stoiker „weniger Meinung“ wollten

Epiktet und Marcus Aurelius waren keine Freunde davon, sich in jeden Aufreger der Welt hineinzuhängen. Für sie zählte, das zu kontrollieren, was wirklich in der eigenen Macht steht – die Haltung, die Handlungen, die innere Ruhe, nicht – übertragen auf die heutige Zeit – den News-Ticker oder die Laune anderer Menschen.

Epiktet misst Fortschritt nicht an großen Projekten, sondern daran, dass man weniger streitet, sich seltener aufregt und nicht zu allem eine Meinung herausposaunt. Marcus Aurelius erinnert sich selbst immer wieder daran, dass er die Macht hat, „keine Meinung“ zu haben – Dinge einfach stehen zu lassen, statt sie sofort zu bewerten.

In einer Welt aus Social Media, Dauerempörung und ständiger Erreichbarkeit wirkt das fast radikal: weniger Urteil, weniger Drama, mehr Gelassenheit.

Was das mit Spazierengehen zu tun hat

Auf den ersten Blick haben die stoische Idee des „weniger Meinung Habens“ und ein Spaziergang nicht viel miteinander zu tun. In der Praxis greifen sie aber wunderbar ineinander.

Ein Spaziergang schafft Abstand: weg vom Bildschirm, raus aus der Timeline, fort von der Reizüberflutung – hin zu einem einfachen, kontrollierbaren Akt: Schritt für Schritt gehen. Beim Gehen verlangsamt sich vieles ganz natürlich, Gedanken klären sich, Emotionen beruhigen sich, Probleme verlieren ihre Schärfe.

Man kommt selten gestresster von einem Spaziergang zurück, als man losgegangen ist. Meist ist man ruhiger, sortierter, geerdeter – genau jener Zustand, den die Stoiker anstrebten. Friedrich Nietzsche wird der Satz zugeschrieben, nur die Ideen seien etwas wert, die beim Gehen entstehen.

Das passt perfekt zur stoischen Praxis: Bewegung schafft Klarheit, statt Grübeln vor dem Bildschirm.

Stoische Praxis im Alltag: einfach gehen

Stoizismus ist keine Philosophie für den Elfenbeinturm, sondern eine Praxis für den Alltag. Die tägliche Frage lautet: Wie kann ich heute ein bisschen vernünftiger handeln, ruhiger reagieren, klarer denken?

Ein Spaziergang ist dafür ein erstaunlich wirksames Werkzeug:

  • Er unterbricht automatische Reaktionen wie Wut, Frust oder Stress.
  • Er schafft Raum zwischen Reiz und Reaktion – genau jenen Raum, in dem Gelassenheit entstehen kann.
  • Er richtet die Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt: Atmung, Schritte, Umgebung.

Anstatt auf jede Nachricht oder jeden Trigger sofort zu reagieren, hilft das Gehen, kurz „auszusteigen“ und die eigene Haltung bewusst zu wählen. Das ist gelebter Stoizismus: Nicht die Umstände bestimmen, wie es mir geht, sondern meine Reaktion darauf.

Mein Upgrade für 2026: der tägliche Gang

Für 2026 nehme ich mir genau dieses einfache Upgrade vor – den täglichen Spaziergang als festen Bestandteil meines Lebens. Nicht als Fitnessprogramm, nicht als Selbstoptimierungswahn, sondern als stoische Routine für mehr Klarheit und Gelassenheit.

Konkret heißt das für mich:

  • Jeden Tag mindestens einen Spaziergang einplanen – egal, wie voll der Kalender ist.
  • Besonders dann gehen, wenn Ärger, Frust oder Stress hochkochen, statt direkt zu reagieren.
  • Die Zeit nutzen, um Gedanken zu ordnen, Probleme von außen zu betrachten und Situationen nicht sofort zu bewerten.

Es geht nicht darum, 2026 komplett umzubauen oder mein Leben auf den Kopf zu stellen. Es geht darum, eine kleine, beständige Gewohnheit zu pflegen, die Selbstbeherrschung, Ruhe und klares Denken fördert.

Stoik, aber simpel: Schritt für Schritt

Die Stoiker haben nie versprochen, dass das Leben leicht ist – aber sie haben gezeigt, dass wir lernen können, besser damit umzugehen.

Ein täglicher Spaziergang ist für mich die minimalistische Übersetzung dieser Idee in den Alltag. Statt großem Vorsatz‑Feuerwerk entscheide ich mich für etwas unspektakulär Einfaches: rausgehen, laufen, atmen, nachdenken.