You Are Wanted

Auch wenn man es gewollt hätte – an ‚You Are Wanted‘ gibt es in diesen Tagen kein Vorbeikommen. Auf allen Kanälen wird man mit Ankündigungen der ersten Amazon-Prime-Serie aus Deutschland überschüttet (jedenfalls ist das meine subjektive Meinung, vielleicht hänge ich auch zu sehr in der ‚Netzblase‘ und kann herkömmliche Kanäle wie lineares TV oder Zeitungen nicht beurteilen).

Da ich (zufriedener) Prime-Kunde bin und Streaming mittlerweile jeglichen DVD-Konsum abgelöst hat (Serien und Filme habe ich bis vor zwei Jahren nur auf DVD geschaut), habe ich mir die 6-teilige Serie von Matthias Schweighöfer natürlich nicht entgehen lassen. An zwei Abenden schauten wir die Folgen hintereinander weg.

Die Kritik war ja durchaus zweigeteilt, wobei es schon auffällig war, dass besonders im Feuilleton einiger ‚großen‘ Zeitungen heftig über Schweighöfer abgeledert wurde. Dabei wurde allerdings oft nicht die Serie an sich kritisiert, sondern vor allem gegen Schweighöfer persönlich ausgekeilt. Ganz offensichtlich scheint der nicht sonderlich beliebt zu sein bei den Fach-Kritikern. Da ich mich nicht nachhaltig mit dem deutschen Kino beschäftigt habe, kann ich die Hinter- oder Abgründe eines Matthias Schweighöfer kaum einschätzen. Ich habe natürlich in den letzten Jahren eine Vielzahl seiner Filme gesehen. Er hat sich locker-flockig, als sympathischer Tollpatsch inszeniert. Sicherlich mit Kalkül, aber doch irgendwie harmlos.

Ich habe gelesen, dass man Schweighöfer entweder lieben oder hassen muss. Das halte ich für Blödsinn. Entsprechend neutral bin ich an die Serie herangegangen, wobei ich  schon etwas genauer hingeschaut habe, ob die Produktion an die amerikanischen Serien herankommt. Und da muss ich sagen: Deutschland hat sich auf internationalem Parkett nicht blamiert. Kamera, Schnitt und das gesamte Ambiente entsprachen meinen Erwartungen. Die Story selbst hatte hier und da Schwächen oder Lücken – aber ich habe noch keine Serie gesehen, wo es diese Momente nicht gibt.

Am Ende war die Sache rund und zum Glück wurde nicht auf Teufel komm raus versucht, einen auf verquasten Mr. Robot zu machen. ‚You Are Wanted‘ ist Mainstream, handwerklich solide und letztlich eine Produktion, mit der die Macher auf Nummer Sicher gehen. Aber in einem TV-Land, wo Rosamunde-Pilcher-Schmonzetten der Maßstab sind, ist ‚You Are Wanted‘ schon herauszuheben.

Schweighöfer spielte so, wie man es von ihm kennt. Kann er, mehr muss er nicht. Begeistert war ich von Catrin Striebeck in der Rolle der kettenrauchenden Polizistin Sandra Jansen – das war eine starke Performance. Dagegen fand ich Alexandra Maria Lara als Ehefrau Hanna Franke ziemlich flach. Unnötig auch der Sidekick Karoline Herfurth. Die Figur war zu Möchtegern-Cool. Aber in der zweiten Staffael, die es geben wird, kommt sie ja nicht mehr vor.

Insgesamt fand ich die Serie okay. Ein Mix aus bekannten Zutaten, aber durchaus dazu geeignet, an zwei Abenden die Aufmerksamkeit hoch zu halten. Eine ‚Serien-Revolution‘ ist es nicht, aber wer hat das wirklich ernsthaft erwartet?