COVID-19

So schnell kann es gehen. Da lebt man in seiner eigenen Blase so vor sich hin, erfreut sich an unwichtigen Kleinigkeiten oder echauffiert sich über Belanglosigkeiten. Und plötzlich ist alles anders. Corona, Covid-19 ist da. Erst nicht beachtet, dann skeptisch beäugt und kurz darauf zu einem Hauptbestandteil unseres Leben und Denkens mutiert. Die Welt, wie wir sie noch vor wenigen Wochen kannten und als selbstverständlich wahrgenommen haben, gibt es nicht mehr.

Heute, an Ostern 2020, sind für uns die Folgen der Pandemie nur in Ansätzen zu begreifen. Ich habe mir in den letzten Wochen mehr Reden von Politikern angehört, als in den letzten 10 Jahren zusammen. Ich kenne jetzt Virologen, verstehe aber – wie die meisten anderen – viel zu wenig, um mir ein abschließendes Bild machen zu können. Es fängt bei den Übertragungswegen des Virus an, geht über die Symptome und den Krankheitsverlauf bis hin zu einer möglichen Immunität. Fakten gibt es kaum, nahezu jede Aussage wird im Konjunktiv getroffen. Die Wissenschaftler ’nehmen an’, sie reden von ‘Wahrscheinlichkeiten’, aber sie wissen letztlich nichts Genaues. Und eben das macht mir die größten Sorgen: Wenn die Experten nur Mutmaßungen abgeben können – was kann da noch alles auf uns zukommen?

Auf Grundlage der Mutmaßungen der Experten handeln die Politiker. Der Lockdown erschien als einzig vernünftige Maßnahme, um die Ausbreitung einzudämmen. Doch die Maßnahmen sind weder das Allheilmittel, noch eine Lösung für einen längeren Zeitraum. Die Wirtschaft ist teilweise komplett zum Erliegen gekommen und die Effekte sind absehbar: Ein Dominostein nach dem anderen wird fallen, der eine wird den anderen mit in den wirtschaftlichen Ruin ziehen. Und zwar mit so einer Dynamik, die kein staatliches System der Welt wird auffangen können.

Eine Lockerung der Maßnahmen ist daher für ein Bestehen des Systems unausweichlich. Gleichzeitig gilt es, so viele Menschenleben wie möglich zu schützen bzw. zu retten. Das gleicht der Quadratur des Kreises. Es wird unweigerlich Opfer hier wie da geben. Das ist eine humanitäre wie wirtschaftliche Katastrophe. Einen Ausweg sehe ich nicht und mir schwant, dass es vielen Entscheidungsträgern ähnlich geht. Sie werden sich letztlich für einen Weg entscheiden müssen und ich bin mir ziemlich sicher, dass dabei viele auf der Strecke bleiben werden. Auch von den Entscheidungsträgern.

Aber die Sache ist viel zu wichtig, um sich in Kompetenzgerangel oder politische Scharmützel zu verstricken. Es geht für die Gesellschaft, wie wir sie kennen, um die Existenz. Man kann zur herrschenden globalen Marktwirtschaft mit all seinen Ungerechtigkeiten stehen wie man will – aber dieses prinzipiell verdorbene System ist unsere Basis. Wenn das zusammenbricht, schlittern wir in die Anarchie und wir werden bürgerkriegsähnliche Zustände haben. Wohlgemerkt beim Kampf ums nackte Überleben. 

Wenn heute Menschen darüber lamentieren, dass sie nicht mehr auf Konzerte oder ins Fußballstadion gehen dürfen, ist das nahezu lächerlich im Vergleich zu dem, was noch alles auf uns zukommen wird. Nur flächendeckende und unkomplizierte Tests (mit entsprechenden Handlungsanweisungen – sprich Quarantäne –  für Infizierte) sowie ein (wirksamer und verträglicher) Impfstoff werden helfen, auch nur annähernd das Leben wieder so herzustellen, wie es für uns noch vor ein paar Wochen selbstverständlich war. Bis dahin geht es darum, den Schaden so gering wie möglich zu halten.

Welches dazu die geeigneten Maßnahmen sind, kann ich nicht beurteilen. Mir ist jedoch klar, dass sie einschneidend sind und an der einen oder anderen Stelle noch rigoroser werden müssen, um sie gleichzeitig hier und da zu lockern. Und irgendwie muss dabei darauf geachtet werden, dass das ganze Kartenhaus nicht in sich zusammenfällt.

Die nahe und mittelfristige Zukunft sieht an Ostern 2020 alles andere als rosig aus. Das erhöht gleichzeitig für einen ganz persönlich die Gefahr, dass man sich von der Situation herunterziehen lässt. Mir geht es nicht anders. Ich versuche, dem entgegenzuwirken und gewinne die Erkenntnis, dass die Weisheiten der Stoiker mehr denn je ihre Berechtigung haben: Sie konzentrieren sich auf Dinge, die für sie veränderbar sind: Das eigene Denken und Handeln. Dinge, die außerhalb der eigenen Kontrolle liegen, sollte man als gegeben hinnehmen und es bringt nichts, sich von ihnen beunruhigen oder sich von ihnen von den Dingen ablenken zu lassen, die man beeinflussen kann.

Für die aktuelle Corona-Krise heißt das: Ruhe bewahren, sich und sein Umfeld schützen, wachsam bleiben und Vernunft walten lassen – und nicht zu viel über die ganzen Schreckensszenarien nachzudenken.


Aktuell eine der besten Bestandsaufnahmen der Situation, die ich gesehen habe


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